Wenn ich heute alte Videos anschaue – irgendwo auf dem Weg zu einer Veranstaltung, mit Hund auf dem Beifahrersitz, Kamera in der Hand oder nachts im Studio zwischen Kabeln und Musik – frage ich mich manchmal selbst, wie all das eigentlich entstanden ist. Denn geplant war vieles davon nicht.
Ich wurde am 1. Dezember 1972 in Cham in der Oberpfalz geboren. Aufgewachsen in einer Zeit, in der man Dinge noch reparierte, statt sie wegzuwerfen, in der man draußen unterwegs war und Technik etwas war, das man verstehen wollte. Vielleicht kommt genau daher bis heute meine Begeisterung für Geräte, Musiktechnik, Kameras und alles, was man auseinandernehmen und neu zusammensetzen kann.
Mein erster Weg war jedenfalls alles andere als kreativ. Ich lernte Zentralheizungs- und Lüftungsbauer, machte 1991 meine Gesellenprüfung und arbeitete in einem ehrlichen Handwerksberuf. Früh aufstehen, arbeiten, anpacken – ein ganz normales Leben. Damals hätte wahrscheinlich niemand gedacht, dass Musik irgendwann einen so großen Teil meines Alltags einnehmen würde. Vermutlich ich selbst am wenigsten.
Aber irgendwo war immer diese Neugier. Dieses Gefühl, dass es noch andere Welten gibt.
In den 90er Jahren begann sich vieles zu verändern. Elektronische Musik wurde größer. Clubs, Dance, Rave-Kultur und Nächte, in denen Musik plötzlich mehr war als Unterhaltung. Für viele war es Party. Für mich wurde es irgendwann Leidenschaft. Erst hörte ich Musik. Dann wollte ich verstehen, wie sie entsteht. Und irgendwann begann ich selbst damit.
Das war eine andere Zeit. Keine Tutorials, keine endlosen Videos im Internet. Vieles entstand durch Ausprobieren, Fehler machen und wieder neu anfangen. Stundenlang an Sounds sitzen, Technik lernen, Dinge kaufen, die man sich eigentlich kaum leisten konnte – nur um herauszufinden, wie ein bestimmter Klang funktioniert.
Ohne es zu merken, entwickelte sich langsam ein zweites Leben. Tagsüber Arbeit. Und daneben Musik. Später Veranstaltungen. Auflegen. Moderieren. Technik. Fahrten quer durch Deutschland. Es gab Jahre, da war ich gefühlt mehr unterwegs als zuhause. Firmenevents, Hochzeiten, Aktionen, Bühnen, Messen, Aufbauten und Rückfahrten mitten in der Nacht. Menschen sehen oft die fertige Veranstaltung – die Musik, die Stimmung, die Bühne. Weniger die Stunden davor oder danach. Aber genau dort entstehen oft die Geschichten.
Mit den Jahren wurde ich nicht nur DJ oder Moderator. Immer stärker kamen Kameras dazu. Videos. Erinnerungen festhalten. Alte Aufnahmen sammeln. Veranstaltungen dokumentieren. Vielleicht, weil mir irgendwann bewusst wurde, wie schnell Zeit vergeht.
Manchmal finde ich heute noch Aufnahmen von früher. Ein Video von 2013. Eine Autofahrt zu einem Event. Ein Kommentar ins Handy gesprochen. Dinge, die damals völlig normal waren und heute fast fremd wirken. Erst lacht man darüber. Dann merkt man plötzlich: Das war ein Teil des eigenen Lebens.
Während viele Projekte kamen und gingen, entstand über die Jahre etwas, das geblieben ist und wahrscheinlich am meisten mit mir selbst zu tun hat: Paukenheim. Nie geplant als großes Konzept. Eher ein Ort für Ideen. Für elektronische Musik. Für ruhige Stücke, harte Beats, Experimente oder einfach Momente, die sich in Klängen ausdrücken lassen.
Wenn ich ehrlich bin, steckt in Paukenheim wahrscheinlich mehr Persönlichkeit als in vielem anderen. Nicht perfekt. Nicht auf Trends gebaut. Sondern einfach entstanden.
Mit der Zeit veränderten sich auch Interessen. Musik blieb. Aber dazu kamen Geschichten, Menschen, alte Filme, Technik, Oldtimer, Veranstaltungen, Social Media und die Frage, wie Erinnerungen erhalten bleiben können. Vielleicht deshalb fotografiere oder filme ich heute noch so viel. Vielleicht deshalb interessieren mich nicht nur große Momente, sondern auch kleine: ein Hund, der auf einer Fahrt dabei war, ein altes Eventvideo, ein alter Clubabend oder ein fast fertiger Song mitten in der Nacht.
Heute arbeite ich an neuen Produktionen, Projekten und Ideen. Musik bewegt sich inzwischen manchmal Richtung Disco, Pop oder moderner Schlager, während elektronische Einflüsse nie ganz verschwinden. Wahrscheinlich bin ich noch immer derselbe neugierige Mensch wie früher – nur mit etwas mehr Erfahrung und deutlich mehr Geschichten.
Wenn ich zurückblicke, war mein Leben nie geradlinig. Handwerk, Musik, Events, Studio, Kamera, Menschen, Neuanfänge und immer wieder neue Ideen. Aber vielleicht ist genau das mein Weg gewesen.
Und wenn mich jemand fragt, was ich eigentlich beruflich oder im Leben bin, fällt die Antwort bis heute schwer. Vielleicht einfach: jemand, der nie aufgehört hat, sich für Musik, Menschen und Geschichten zu begeistern.
„Am Ende bleiben selten die perfekten Momente. Es bleiben die echten.“
– Reinhard Waldmann
